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| Gemäss einer aktuellen Studie der Berner Fachhochschule sind die
häufigsten Gründe für Nachbarschaftskonflikte Lärm und die Missachtung
gesetzlicher Ruhezeite. |
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|  | Glücklich kann sich schätzen, wer sich abends ins Bett legen kann und
von seinen Nachbarn bis am nächsten Morgen nichts mehr hört - oder
zumindest keine störenden Geräusche. Denn Lärm und Missachtung der
gesetzlichen Ruhezeiten sind die Hauptursaehen für
Nachbarschaftsknatsch, wie eine Studie der Berner Fachhochschule in
Zusammenarbeit mit der Wohnbaugenossenschaft Fambau und der
Liegenschaftsverwaltung der Stadt Bern zeigt.
Für die Studie
wurden insgesamt 2000 Mieterdossiers nach Beschwerden bei den
Liegenschaftsverwaltungen untersucht. Ausserdem wurden 36 Bewohnerinnen
und Bewohner in Liegenschaften mit häufigen Konflikten befragt.
«Hinweise aus den qualitativen Interviews lassen die Schätzung zu, dass
mindestens die Hälfte aller Mieter schon einmal in einen
Nachbarschaftskonflikt verwickelt war», schreiben die Autoren des noch
Syntheseberichts.
Die Analyse zeigt auch, dass es in drei
Viertel aller Fälle nur um geringfügige Konflikte ging. Der Rest waren
ernstere Angelegenheiten. wo längere Zeit hin und her gestritten wurde.
In fast der Hälfte aller Fälle spielte der Lärm die Hauptrolle. Gefolgt
von der Missachtung der Ruhezeiten (z. 8. Duschen ab 22 Uhr. der
Nutzung von gemeinsamen Räumen, Schmutz und Beschimpfungen. In 60
Prozent aller Fälle war die angrenzende Wohnung der Konfliktort, in 21
Prozent das Treppenhaus und in 17 Prozent die Waschküche.
Interessant
waren jene Fälle, wo es zu einem längeren Streit kam. Da treffen meist
verschiedene explosive Faktoren zusammen: kulturelle und sprachliche
Verständigungsprobleme, aber auch finanzielle, soziale und
gesundheitliche Momente. Am höchsten ist das Risiko, wenn Sucht und
psychische Probleme im Spiel sind. Aber es steigt auch mit der Anzahl
Kinder.
Bei genauerer Analyse wird deutlich, dass letztlich
die Kommunikation entscheidend ist, ob ein Konflikt entsteht und
eskaliert oder frühzeitig erkannt und abgewandt werden kann, hält die
Studie fest. Immerhin 40 Prozent der Konfliktfälle endeten mit einem
Mahnbrief von der Liegenschaftsverwaltung, 3,5 Prozent der Fälle mit
einer Kündigung.
Was tun, um Konflikte besser in den Griff zu
bekommen? Die Autoren der Studie favorisieren das Hauswartmodell. Der
Hauswart sei die zentrale Ansprechperson für alle Mieter. «Es ist
sinnvoll, die Rolle des Hauswarts neu zu überdenken», heisst es in der
Studie. Der Hauswart soll durch Aus- und Weiterbildung befähigt werden,
Konflikte im Keim zu ersticken. Die Idee ist nicht ganz neu: Die
Zürcher Stiftung Domicil bietet für Hauswarte seit ein paar Jahren den
Kurs «Psychologie im Treppenhaus» an. Auch der Schweizerische
Fachverband der Hauswarte will nun ähnliche Bildungsprogramme für
soziale Fragen erarbeiten.
Von: Nicolas Gattlen
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