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08. September 2010
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Gemäss einer aktuellen Studie der Berner Fachhochschule sind die häufigsten Gründe für Nachbarschaftskonflikte Lärm und die Missachtung gesetzlicher Ruhezeite.
Treppenhaus

Glücklich kann sich schätzen, wer sich abends ins Bett legen kann und von seinen Nachbarn bis am nächsten Morgen nichts mehr hört - oder zumindest keine störenden Geräusche. Denn Lärm und Missachtung der gesetzlichen Ruhezeiten sind die Hauptursaehen für Nachbarschaftsknatsch, wie eine Studie der Berner Fachhochschule in Zusammenarbeit mit der Wohnbaugenossenschaft Fambau und der Liegenschaftsverwaltung der Stadt Bern zeigt.

Für die Studie wurden insgesamt 2000 Mieterdossiers nach Beschwerden bei den Liegenschaftsverwaltungen untersucht. Ausserdem wurden 36 Bewohnerinnen und Bewohner in Liegenschaften mit häufigen Konflikten befragt. «Hinweise aus den qualitativen Interviews lassen die Schätzung zu, dass mindestens die Hälfte aller Mieter schon einmal in einen Nachbarschaftskonflikt verwickelt war», schreiben die Autoren des noch Syntheseberichts.

Die Analyse zeigt auch, dass es in drei Viertel aller Fälle nur um geringfügige Konflikte ging. Der Rest waren ernstere Angelegenheiten. wo längere Zeit hin und her gestritten wurde. In fast der Hälfte aller Fälle spielte der Lärm die Hauptrolle. Gefolgt von der Missachtung der Ruhezeiten (z. 8. Duschen ab 22 Uhr. der Nutzung von gemeinsamen Räumen, Schmutz und Beschimpfungen. In 60 Prozent aller Fälle war die angrenzende Wohnung der Konfliktort, in 21 Prozent das Treppenhaus und in 17 Prozent die Waschküche.

Interessant waren jene Fälle, wo es zu einem längeren Streit kam. Da treffen meist verschiedene explosive Faktoren zusammen: kulturelle und sprachliche Verständigungsprobleme, aber auch finanzielle, soziale und gesundheitliche Momente. Am höchsten ist das Risiko, wenn Sucht und psychische Probleme im Spiel sind. Aber es steigt auch mit der Anzahl Kinder.

Bei genauerer Analyse wird deutlich, dass letztlich die Kommunikation entscheidend ist, ob ein Konflikt entsteht und eskaliert oder frühzeitig erkannt und abgewandt werden kann, hält die Studie fest. Immerhin 40 Prozent der Konfliktfälle endeten mit einem Mahnbrief von der Liegenschaftsverwaltung, 3,5 Prozent der Fälle mit einer Kündigung.

Was tun, um Konflikte besser in den Griff zu bekommen? Die Autoren der Studie favorisieren das Hauswartmodell. Der Hauswart sei die zentrale Ansprechperson für alle Mieter. «Es ist sinnvoll, die Rolle des Hauswarts neu zu überdenken», heisst es in der Studie. Der Hauswart soll durch Aus- und Weiterbildung befähigt werden, Konflikte im Keim zu ersticken. Die Idee ist nicht ganz neu: Die Zürcher Stiftung Domicil bietet für Hauswarte seit ein paar Jahren den Kurs «Psychologie im Treppenhaus» an. Auch der Schweizerische Fachverband der Hauswarte will nun ähnliche Bildungsprogramme für soziale Fragen erarbeiten.

Von: Nicolas Gattlen
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