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04. Februar 2012
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Probleme des sozialen Wohnen in der reurbanisierten Stadt


Viele städtische Zentren besitzen das Problem, die Dichte an zahlungskräftiger Bevölkerung zu halten, die nötig ist, um die vielen Leistungen der Kernstädte in Kultur, Bildung, Verkehr, Handel, etc. zu finanzieren. Häufig wird das Bild der A-Stadt skizziert: Arbeitslose, Asoziale, Alte, Ausländer, etc. Alle gut verdienenden Singles, Yuppies und Dinks leben im Speckgürtel der Vororte, wo es ein bisschen grüner, ein bisschen ruhiger und vor allem wo die Steuern viel niedriger sind. Dieses Bild stimmt so nicht mehr. In einzelnen Kernstädten steigen die Bevölkerungszahlen wieder. Die gut verdienenden und Reichen kehren zurück.

Der Begriff "Sozialer Wohnungsbau" ist stark in Misskredit geraten. Die Bilder von französischen HLM, Bidonvilles oder ostdeutschen Plattenbauten sind nur allzu präsent.

Wenn sich geringes Einkommen, soziale Ausgrenzung und eine menschenfeindliche Siedlungsstruktur treffen, dann wird neudeutsch von "überforderten Nachbarschaften" gesprochen. Die Beispiele wo solche Projekte geglückt sind, werden entweder nicht wahrgenommen, oder als nicht übertragbare Modellprojekte mit handverlesenen Bewohnern und überdurchschnittlichem Engagement aller Akteure abgewertet.

Andererseits besteht aber auch ganz klar die Forderung, dass künftige Wohnbauprojekte in Innenstädten um dem Begriff der Nachhaltigkeit zu genügen, nicht nur wirtschaftlich machbar und umweltfreundlich sein müssen, sondern auch "sozialverträglich". Das Konzept der "Reurbanisierung" beinhaltet unter diesen Umständen auch die Frage nach den emanzipatorischen und integrativen Funktionen der Stadt unter den Bedingungen des spätindustriellen Zeitalters. Zeitgemässe Wohnformen müssen verschiedensten sozialen Anforderungen genügen: Sie sollen human, ökologisch, flexibel, altengerecht, kindgerecht, behindertenfreundlich, bewohnerfreundlich, einkommensgerecht, mit anderen Nutzungen wie dem Arbeiten mischbar und kommunikativ sein.

Der zentrale Punkt beim neuen sozialen Wohnen ist der Gedanke, dass um Kosten tief zu halten, wesentliche Teile der Infrastruktur gemeinschaftlich genutzt werden. Ob sich dies dann im Einzelfall auf die Dachterasse beschränkt, oder ob auch Küche und Bad geteilt werden, ist von den Zielsetzungen des Projektes, den Ansprüchen und den finanziellen Möglichkeiten der zukünftigen Bewohner abhängig. In den heutigen Wohnbauten fehlen gemeinschaftlich genutzte Räume weitgehend. Aus Kostengründen, werden sie aus den Überbauungsplänen herausgestrichen, fallen, wie zum Beispiel viele Innenhöfe einer privaten Nutzung zu oder werden beim ersten Konflikt geschlossen. Dabei wäre nicht nur bei Neubauten, sondern gerade in Quartieren mit mangelhafter Infrastruktur, starker Fluktuation und sozialen Problemhäufungen Orte nötig, wo Leute sich treffen und von wo aus Entwicklungsprozesse und Initiativen sich entwickeln können.

In erfolgreich reurbanisierten Städten hat jedes Quartier ein Quartierzentrum, wo von Konzerten über Altersnachmittage bis zur Vermietung für private Geburtstagsparties alles möglich ist. Analog hierzu ist die Erwartungen an Gemeinschaftsräume folgendermassen zu verstehen: "Nachbarschaften wachsen über Jahre - wenn sie Zeit dazu haben. Wenn sich 50 Haushalte in einer sozialen Wohnsiedlung von einem Tag auf den anderen fremd gegenüberstehen, sind die Chancen für ein langsames Kennenlernen gering. Prozesse des Zusammenwachsens werden sofort durch erste Konflikte überlagert und erschwert. Erhofft wird, dass das Angebot eines gemeinschaftlichen zu nutzenden Raumes die Fremdheit, die Angst und die realen Interessengegensätze in den ersten - kritischen - Lebensjahren einer Wohnsiedlung überwindet. Aber auch im späteren Verlauf sollen Gemeinschaftsräume einen sozialen Mittelpunkt bilden und Ausdruck einer besonderen Lebensqualität sein.


Wie soll soziales Wohnen in einer reurbanisierten Stadt gefördert werden?

Genossenschaftliche Wohnformen können einen Ansatz bieten, um kostengünstigen Wohnraum zu erstellen. Das grosse Problem dabei ist, dass zukünftige Bewohner sich am Kapital der Genossenschaft beteiligen müssen. Genossenschaften mit hohen finanziellen Eintrittsschranken sind für junge urbane Menschen, die mobil bleiben und sich nicht längerfristig binden wollen, nicht sehr attraktiv. Genossenschaftliche Projekte sind darum für Junge, die gleichzeitig, ohne Startkapital ins Berufs- und Wohnleben einsteigen, keine Option.

Neues soziales Wohnen in einem urbanen Rahmen ist nur möglich, wenn günstiger Wohnraum, ob in Altbauten oder in entsprechend geplanten Neubauten zur Verfügung gestellt werden kann.

Vor allem junge Mieter sind nicht an einem luxuriösen Ausbaustandard interessiert. Wichtig ist ihnen vielmehr ein grosszügiges Platzangebot, dass möglichst viel individuelle Freiheiten offen lässt. Sie wollen nicht in eine Einheitskiste gedrängt werden. Sie wollen die Möglichkeit haben selber Veränderungen an ihrem Umfeld vornehmen zu können. In einzelnen Städten grassiert durch die Reurbanisierung eine Renovationswut. Renovierte Altbauten sind für Junge oder Menschen in unteren Einkommensschichten kaum mehr bezahlbar. Würde man sich bei Altbauten nur auf den Substanzerhalt konzentrieren, könnten diese Altbauhäuser einen wertvollen, sozialen Beitrag übernehmen. Das Zuverfügungstellen von genügend Altbauwohnungen auf dem Markt können die Städte durch steuerliche Anreizsysteme wie geringerer Satz bei der Vermögenssteuer, Freibeträge bei der Ertragssteuer, etc. lenken. Bei Neubauten im sozialen Wohnungsbau sollten interessanten, flexiblen Bauten mit menschenfreundlichen Details wie Dachterrassen, Gemeinschaftsräumen, grünen Innenhöfen und einem bewusst beschränkten, spartanischem Ausbaustandard den Vorzug gegeben werden. Wichtig ist jedoch, dass Neubauten in ihrer Aufteilung flexibel gestaltet werden können, damit darin auch experimentelle Wohnformen wie WGs, etc. Platz finden. [Zurück]

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