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04. February 2012
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Determinants of National Competitive Advantage [PDF Download] [PPT Download]


Historischer Hintergrund der Clustertheorie

Als Begründer der Clustertheorie hat sich Michael E. Porter mit seinem
Standardwerk “The Competitive Advantage of Nations“ positioniert. Erste
theoretische Auseinandersetzungen mit dem Phänomen Cluster gibt es allerdings
schon seit der Jahrhundertwende durch Alfred Marshal.

Der Grundgedanke baut auf dem Konzept der komparativen Vorteile von David Ricardo sowie auf der Aussenhandelstheorie von Heckscher und Ohlin auf. Heckscher ersetzt die Theorie der komparativen Kosten durch die Theorie der komparativen Faktorknappheit. Bis zum Ersten Weltkrieg hat die Aussenhandelstheorie mit der Voraussetzung gearbeitet, es gebe nur einen Produktionsfaktor. Die komparativen Vorteile ergaben sich aus den ungleichen Faktoraufwenden, respektive dem Unterschied in der Produktionstechnik. Heckscher unterscheidet nun zwei kostenseitige Gründe für den vorteilhaften Handel zwischen den Ländern:

1. Unterschied der Produktionstechniken bzw. Faktoraufwendungen pro Produktionseinheit. Diese gelangen bei Heckscher vom Vordergrund in den Hintergrund.

2. Relative Knappheit der Produktionsfaktoren in den einzelnen Ländern. Ein Land exportiert jene Güter in deren Produktion relativ reichlich vorhandene Faktoren intensiv eingesetzt werden können, während jene Güter importiert werden in deren Produktion die relativ knappen Faktoren intensiv eingesetzt werden müssen.


Entgegengesetzte Positionen bei den Bestimmungsfaktoren

Die wissenschaftliche Diskussion über die Bestimmungsfaktoren internationaler Wettbewerbsfähigkeit ist im wesentlichen durch zwei entgegengesetzte Positionen geprägt. Theodore Levitt argumentiert dabei, dass die allgemeine Tendenz zu einer Vereinheitlichung von Konsumgewohnheiten, Märkten und Produktion dazu führt, dass die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen in zunehmendem Masse von der Fähigkeit abhängt, Kostendegressionseffekte durch die globale Rationalisierung von Strukturen, Systemen und Prozessen zu realisieren. Demgegenüber wird von anderen Autoren betont, dass die Bedeutung der Heimatländer vor dem Hintergrund eines zunehmend globaler werdenden Wettbewerbs nicht abnimmt, sondern sogar grösser wird. Begründet wird diese These mit der Beobachtung, dass “Global
Champions“ in einzelnen Branchen in bestimmten geographischen Gebieten liegen. Dies wird als ein Indikator dafür angesehen, dass Unternehmen einzelner Branchen aus bestimmten Ländern besonders günstige Bedingungen geniessen, die ihnen ermöglichen gegenüber ausländischen Unternehmungen Wettbewerbsvorteile zu erzielen. Ein besonders umfassendes Modell zur Erklärung nationaler Wettbewerbsvorteile, hat Michael E. Porter mit seiner Studie “The Competitive Advantage of Nations“ vorgelegt. Den Ausgangspunkt seiner Überlegung bildet die Hypothese, dass Nationalstaaten existieren, die ihren Bürgern einen steigenden Lebensstandard ermöglichen wollen. Ein höherer Lebensstandard in einem Land kann nach Michael E. Porter aber nur durch eine hohe internationale Konkurrenzfähigkeit von Branchen infolge von Produktivitätssteigerungen erreicht werden. Nach Michael E. Porter kann man dabei nicht von der Wettbewerbsfähigkeit von Volkswirtschaften sprechen, diese ist vielmehr das Ergebnis konkurrenzfähiger Branchen. Michael E. Porter setzt damit im Rahmen seines Ansatzes auf einem niedrigen Aggregationsniveau als die klassischen Internalisierungstheorien an.


Clusteransatz nach Michael E. Porter

Der Clusteransatz versucht die komparativen Vorteile und die Wettbewerbsfähigkeit von Regionen auf interregionaler und internationaler Ebene zu erklären. Bei der endogenen Erklärung von komparativen Vorteilen spielen nicht die Kostenunterschiede wie beispielsweise Lohn- und Kapitalkosten sowie einzelne Standortfaktoren eine Rolle, sondern vielmehr das gesamte Set dieser Faktoren. Der "Diamant"- Ansatz ist eine Verknüpfung von Theoriebausteinen.

Bei im internationalen Wettbewerb erfolgreichen Firmen handelt es sich selten um isolierte Firmen. Die meisten von ihnen sind Teil eines Clusters (=Unternehmensverbund). Ein Hauptmerkmal ist eine intensive Interaktion der Unternehmen im Cluster. Nationale Wettbewerbsvorteile ergeben sich aus der Anzahl Cluster bzw. der wettbewerbsfähigen Firmen, die in einer Region oder Nation angesiedelt sind.


Definition eines Clusters

Ein Cluster ist die geografische Konzentration von miteinander verbundenen Unternehmen und Institutionen in einem bestimmten Wirtschaftszweig. Eine Gruppe von Industrien also, die durch spezialisierte Käufer-Lieferanten-Verbindungen miteinander verknüpft sind oder durch Technologie und Fertigkeit verwandt sind. Beispiele in den USA ist die Automobilindustrie in Detroit oder die High-Tech-Industrie im Silicon Valley.

Cluster können über regionale und nationale Grenzen hinauswachsen und weisen einen ungewöhnlich hohen wirtschaftlichen Erfolg aus. Die Export-Cluster können sich über die  Beschränkungen eines lokalen Marktes hinwegsetzen.


Einfluss der Cluster auf den Wettbewerb

Cluster erhöhen die Produktivität der Unternehmen, die in der Region angesiedelt sind und bestimmen die Richtung und das Tempo der Innovationen. Sie beeinflussen den Wettbewerbsdruck innerhalb eines Landes als auch über dessen Grenzen hinaus. Die Cluster schaffen einen Anreiz sowie ein Umfeld für die Gründung neuer Unternehmen, die dann ihrerseits den Cluster wieder ausdehnen und stärken.

Cluster sind wichtig für den modernen Wettbewerb, da dieser auf Produktivität und nicht auf dem Zugang zu Produktionsfaktoren oder der Unternehmensgrösse basiert.


Wettbewerb und Zusammenarbeit im Cluster

Die Cluster fördern Wettbewerb und Zusammenarbeit gleichermassen. Obwohl die Unternehmen im Cluster in Konkurrenz stehen, ist eine vertikal ausgerichtete Zusammenarbeit möglich. Der Wettbewerb geht mit Zusammenarbeit einher, weil sich beides auf unterschiedlichen Ebenen und zwischen unterschiedlichen Akteuren abspielt.

Ohne Wettbewerb wäre ein Cluster langfristig zum Scheitern verurteilt. Die geografische Konzentration verstärkt den Wettbewerbsdruck in einem Cluster, selbst auf Unternehmen die nicht oder nur indirekt miteinander konkurrieren. Durch permanenten Druck können Cluster über Jahrzehnte Innovationszentren bleiben.


Bedrohungen für einen Cluster

Ein Cluster kann von aussen bedroht werden, wenn beispielsweise bestimmte Technologien überflüssig werden. Ein weitere Bedrohung stellt der Wandel der Kundenbedürfnisse und Divergenz zwischen den Bedürfnissen vor Ort und anderswo dar. Innere Verkrustung, wie übermässige Absprachen, Kartelle, Fusionen und andere Wettbewerbsbeschränkungen, die den örtlichen Konkurrenzkampf untergraben zerstören einen Cluster langfristig. Die Ressourcenbeschaffung kann durch den Wettbewerb im Cluster knapper und teurer werden. Unternehmen können jedoch Vorleistungen von anderen Standorten beschaffen, was den Kostennachteil in Grenzen hält. Eine weitere Bedrohung ist ein starker Anstieg der Betriebskosten, die es zunehmend schwieriger machen auf dem neuesten, technischen Stand zu sein. Vorgängig, genannte Erstarrung durchlaufen derzeit mehrere Cluster in Deutschland und der Schweiz. Eine resultierende, geringe Wettbewerbsfähigkeit der Cluster kann teilweise durch Outsourcing in Billiglohnländer oder Materialbeschaffung bei entfernten Lieferanten kompensiert werden.


Cluster-Organisation versus vertikale Integration

Cluster sind die bessere Alternative zu einer vertikalen Integration. Spezialisten von aussen sind oft kostengünstiger als innerbetriebliche Einheiten. Eine umfassende, vertikale Integration hat sich in einer ständig ändernden Umgebung als ineffizient und unflexibel erwiesen. Durch den Cluster (=Standortverbund) kann jedes Mitglied Vorteile geniessen, als ob es selbst grösser wäre, ohne seine Flexibilität aufgeben zu müssen.

Die räumliche Nähe zwischen Unternehmen und Institutionen und der regelmässige Handel untereinander fördert Vertrauen, Kommunikation und Koordination. Die Zusammenballung verwandter Unternehmungen ermöglicht, aufgrund guter Arbeitsplatzsituation, einen besseren Zugang zu Mitarbeitern. Manager können die Kosten und Leistungen der eigenen Mitarbeiter mit denjenigen anderer Unternehmen vor Ort vergleichen. Des Weiteren bietet ein entwickelter Cluster eine umfassende und spezialisierte Lieferantenbasis. Die Beschaffung vor Ort senkt die Transport- und Lagerhaltungskosten. Ein permanenter Informationsaustausch ist möglich, so dass sich innerhalb eines Clusters umfassende Informationen über Markt, Technik und Wettbewerb sammeln. Eine gemeinsam genutzte Infrastruktur sowie Ausbildungs- und Forschungszentren wirken sich positiv auf die Produktivität der Unternehmen aus. Aus genannten Standortvorteilen siedeln sich neue Unternehmen lieber innerhalb eines bestehen Clusters an, als an einem isolierten Standort. Die geografische Konzentration zahlreicher Firmen in einem Cluster ist für Kunden attraktiv, da sie somit viele Unternehmen und Händler auf einmal aufsuchen können.


"Diamant"-Konzept

Zentral für den Erfolg eines Unternehmens ist seine Fähigkeit zu ständigen Innovationen. Ein entscheidender Einfluss auf diese Fähigkeit, übt ein dynamisches System von sich wechselseitig beeinflussenden Faktoren aus. Nach Porter beruhen die internationalen Wettbewerbsvorteile einer Branche auf nachfolgenden Bestimmungsfaktoren:

  • Faktorbedingungen
  • Nachfragebedingungen
  • Verwandte und unterstützende Branchen
  • Unternehmensstrategie, Struktur und Konkurrenz
  • Zufall
  • Staat

Die Bestimmungsfaktoren verwandte und unterstützende Industrien sowie Firmenstrategie, Struktur und Wettbewerb gehören zu den endogenen Faktoren, während Faktor- und Nachfragebedingungen exogene Faktoren sind.


Graphische Darstellung der Hauptbestimmungsfaktoren




Faktorbedingungen

Die Faktorbedingungen stellen die Position eines Landes bei den Produktionsfaktoren, wie den Facharbeitern, dem Humanvermögen, den materiellen- und den Kapitalressourcen sowie dem Wissen dar. Des Weiteren beinhalten sie die Infrastrukturen, die für den Wettbewerb in einer bestimmten Branche notwendig sind.


Die Faktoren eines Landes können in nachfolgende Gruppen eingeteilt werden:

  • Humanvermögen - Qualifikationsniveau, Qualität der Lehre und Forschung, Arbeitskosten, Regulierung des Arbeitsmarktes, Moral etc.
  • Materielle Ressourcen - Rohstoffe, Vegetation, Fläche etc.
  • Wissensressourcen
  • Kapitalressourcen
  • Infrastruktur

Genannte, einheimische Faktoren bilden den Ausgangspunkt für Vorteile, auf die weiter aufgebaut werden kann. Da die einzelnen Nationen oder Regionen in unterschiedlichem Umfang mit diesen Faktoren ausgestattet sind, werden sich dort vorrangig solche Branchen entwickeln, für die eine günstige Faktorkombination besteht. Hierzu einige Beispiele:

  • Erklärung der Existenz von Billiglohnländern (Aufgrund niedriger Lohnkosten)
  • Agrarstaaten (Grosse Flächen mit guter Bodenqualität)
  • Erklärung einer starken Start-up-Szene in den USA (Relativ stark ausgeprägte Risikokapitalstruktur)

Porter weist darauf hin, dass die Faktoren nicht immer ererbt bzw. von Natur aus gegeben sein müssen. Sie können sich entwickeln und verändern. Die Faktorbedingungen sind vom Umfeld abhängig und können durch politische Initiativen, technologischen Fortschritt und gesellschaftliche Veränderungen etc. beeinflusst werden. Ein aktuelles Beispiel hierfür ist die Debatte um die Gentechnologie und Embryonenforschung, die sich auf die Ausprägung des Wissenskapitals in diesen Bereichen in Deutschland und der Schweiz auswirken wird.


Nachfragebedingungen

Unter den Nachfragebedingungen wird die Art der Inlandsnachfrage nach Produkten oder Dienstleistungen einer Branche gesehen. Die einheimischen Nachfragebedingungen beeinflussen massgeblich, wie sich die konkreten, nationalen Vorteile ausprägen. Ihr Einfluss prägt Art und Tempo von Innovation und Neuentwicklungen. Nach Porter sind bei der Inlandsnachfrage nachfolgende Eigenschaften von besonderer Bedeutung:

  • Zusammensetzung - Beispiel: Art der Verbraucherbedürfnisse
  • Umfang - Beispiel: Absolute Grösse des Heimmarktes (Ausnutzung der Economies of Scales) und relative Grösse des Heimmarktes (Wie gross ist die Nachfrage eines Gutes im Inland im Vergleich zu anderen Ländern).
  • Wachstumsstruktur
  • Mechanismen - Beispiel: Art und Weise wie die heimischen Präferenzen den Auslandsmärkten vermittelt werden.

Porter argumentiert, dass ein Land dann Wettbewerbsvorteile in einer Branche oder einem Segment erzielen kann, wenn die Inlandsnachfrage den einheimischen Firmen ein klareres oder früheres Bild der Käuferbedürfnisse vermittelt, als den ausländischen Wettbewerbern.


Verwandte und unterstützende Branchen

Wettbewerbsvorteile können durch international wettbewerbsfähige, verwandte und unterstützende Branchen entstehen. Unter dem Bestimmungsfaktor der verwandten und unterstützenden Branchen wird das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein von Zulieferbranchen und verwandten, international wettbewerbsfähigen Branchen in einem Land verstanden. Verwandte oder unterstützende Branchen sind Branchen, in denen Unternehmungen Aktivitäten in der Wertkette, wie beispielsweise Zulieferindustrien, Vertriebskanäle etc. branchenübergreifend gemeinsam nutzen können. Der internationale Erfolg einer Branche kann sich auf andere verwandte Branchen auswirken. Erlangen die Zulieferbranchen Wettbewerbsvorteile, wirken sich diese durch Innovationskraft und Internationalisierung auch auf nachgelagerte Branchen aus. Neben den Zuliefererbranchen sind auch verwandte Branchen von Bedeutung. Dies sind Branchen, deren Unternehmen Aktivitäten in der Wertkette gemeinsam nutzen und koordinieren können oder die mit komplementären Produkten zu tun haben. Eines der oftmals dargelegten Beispiele ist Italien, das nicht nur bei Schuhen und anderen Lederwaren international erfolgreich ist, sondern auch in verwandten Bereichen wie lederverarbeitende Maschinen, Design, Schuhzubehör, Accessoires, Textilien usw.


Die Stärke des italienischen Ledermoden-Clusters kann auf die vielfältigen Verbindungen und Synergien der beteiligten Unternehmen zurückgeführt werden.

  • Schuhfirmen (Ferragamo oder Gucci)
  • Lieferanten für gegerbtes Leder, Schuhwerk-Komponenten, Maschinen, Gussformen
  • Designstudios
  • Wertschöpfungskette verwandter Branchen
  • Nutzung gleicher oder überkreuzender Kanäle, Inputs, Technologien und Marketingmedien
  • Ansprechen ähnlicher Verbrauchersegmente


Unternehmensstrategie, Struktur und Konkurrenz

Ein weiterer Bestimmungsfaktor nationaler Wettbewerbsvorteile stellt schliesslich die Unternehmensstrategie, Struktur und Konkurrenz dar. Die Unternehmensstrategie, Struktur und Konkurrenz skizziert die Bedingungen in einer Nation, die bestimmen wie Unternehmen entstehen, organisiert sind oder geführt werden sowie in welcher Form die inländische Konkurrenz besteht. Die Unternehmensstrategie, Struktur und Konkurrenz kann wie folgt gegliedert werden:

  •  Kulturelle Aspekte
    Typische Führungsstrukturen, Arbeitsmodelle oder Verhaltensweisen der Unternehmen untereinander sind in den einzelnen Nationen unterschiedlich ausgeprägt und können je nach Branche zu Vor- und Nachteilen führen.
  • Nationale Vorteile
    Die nationalen Vorteile gehen auf ein gutes Zusammenspiel zwischen den grundlegenden Faktoren zurück.
  • Unternehmensziele
    Bedeutung kommt den typischen Unternehmenszielen im Zusammenspiel mit Motivationsmustern beim Management und der Belegschaft zu.
  • Besitzstrukturen
    Typische Unternehmensziele werden stark durch Besitzstrukturen geprägt. Mittelständische Branchen, in denen die Leitung durch die Eigentümer dominiert, verhalten sich anders als Branchen, deren Finanzbedarf über die Börsennotierungen gedeckt werden.
  • Wettbewerb
    Unternehmen im globalen Wettbewerb stehen auch auf ihren Heimatmärkten in heftigem Wettbewerb was dazu führt, dass sie sich dort zu gegenseitigen Verbesserungen und Innovationen treiben.

Die Wirkung eines Bestimmungsfaktors hängt dabei von den anderen ab. So ergeben beispielsweise günstige Nachfragebedingungen keinen Wettbewerbsvorteil, wenn der Konkurrenzdruck zu schwach ist und keine Reaktionsverbundenheit zwischen den Unternehmungen besteht. Anderseits können Vorteile bei einem Bestimmungsfaktor auch Vorteile bei anderen hervorrufen oder sie aufwerten.


Modellerweiterung durch die Komponenten Staat und Zufall

Neben den vier Hauptbestimmungsfaktoren Faktorbedingungen, Nachfragebedingungen, verwandte und unterstützende Branchen sowie Unternehmensstrategie, Struktur und Konkurrenz beeinflussen zwei ergänzende Elemente, der Staat und der Zufall, das nationale System wesentlich. Der Zufall beinhaltet Ereignisse ausserhalb der Herrschaftsgewalt einer Unternehmung und meist auch des Staates wie beispielsweise Durchbrüche in Basistechnologien, aussenpolitische Entwicklungen, grössere Verschiebungen der Auslandsnachfrage, Kriege etc. Sie bewirken Brüche, die die Branchenstruktur verändern können und bieten Unternehmungen eines Landes Gelegenheit, ihre ausländischen Konkurrenten zu verdrängen. Der Staat kann auf allen Ebenen nationale Vorteile verstärken oder vermindern. Diese Rolle wird insbesondere im Einfluss der Politik auf die einzelnen Bestimmungsfaktoren deutlich. Zusammen mit den vier Hauptbestimmungsfaktoren ergeben diese ergänzenden Elemente ein sich wechselseitig verstärkendes System, das Michael E. Porter den “Diamanten“ nennt.

Porters “Diamant“





Aufzeigen der “Diamant“-Faktoren am Beispiel Uhrenindustrie unter
Betrachtung der Komponente Zufall

Durch die Vertreibung der Hugenotten aus Frankreich und anderen Ländern entstand die Uhrenindustrie in der Schweiz. Hierdurch gelangten Uhrenmacher und deren Know-how nach Genf. Durch Calvin wurden in Genf Luxusgüter untersagt und folglich die Herstellung von Goldschmuck verboten. Die ansässigen Goldschmiede waren gezwungen eine neue Existenz aufzubauen.

  • Faktorbedingungen
    Günstige Konstellation, da Know-how der Uhrenmacher mit demjenigen der Goldschmiede verbunden werden kann. Als Folge, Herstellung von wertvollen, hochpreisigen Uhren in Genf und in den jurassischen Manufakturen.
  • Verbesserung der Faktorbedingungen
    Forschungsinstitut in Neuenburg, Förderung von industriespezifischem Wissen, Entwicklung neuer Materialien (Öl das Korrosion nicht zulässt) etc.
  • Nachfragebedingungen
    Kaufkräftige Touristen für hochpreisige Uhren.
  • Verwandte und unterstützende Industrien
    Entstehung und Weiterentwicklung der Präzisionstechnik und Werkzeugindustrie.
  • Firmenstrategie, Struktur und Wettbewerb
    Starker Wettbewerb der Innovationen gefördert hat sowie Schutz der Uhrenindustrie durch das Uhrenstatut von 1961.


Betrachtung des Ergänzungselement Staat

  • Staat als Nachfrager
    Der Staat tritt als Nachfrager auf, beispielsweise durch die Beschaffung von Transportfahrzeugen für die Armee bei inländischen Herstellern und erhöht somit die Inlandnachfrage.
  • Steuerung der Wettbewerbsbedingungen
    Eine Steuerung der Wettbewerbsbedingungen kann durch Regulierungen oder Subventionen erfolgen. Wenn keine inländische Konkurrenz mehr besteht verlieren die Firmen trotz internationalem Wettbewerb an Dynamik. Eine zu starke Steuerung ist somit gefährlich.
  • Förderung der Ausbildung
    Die Förderung der Ausbildung hat Auswirkung auf das Humankapital und somit auf die Faktorbedingungen.
  • Zulassen von Kooperationen
    Das Zulassen von Kooperationen hat direkte Auswirkungen auf verwandte und unterstützende Industrien.
  • Umfeld schaffen
    Der Staat kann über das Umfeld Einfluss nehmen. Er kann keine komparativen Vorteile schaffen, jedoch diese über das Umfeld fördern oder hemmen. Beispielsweise ist die Errichtung eines gemeinsamen Forschungs- und Ausbildungszentrums in den USA aufgrund starker Anti-Trust-Gesetze äussert schwierig und somit nachteilig.


Kritik an Porters “Diamant“-Ansatz

Trotz der unbestrittenen Pionierleistung von Michael E. Porter, die Ursachen
nationaler Wettbewerbsvorteile detailliert untersucht und in einem umfassenden
Gesamtmodell integriert zu haben, ist der “Diamant“-Ansatz vielfach und zum Teil
heftig kritisiert worden. Hinsichtlich der Neuartigkeit des Ansatzes argumentiert John Harry Dunning, dass dieser keine grundsätzlich neuen Überlegungen beinhaltet, sondern viele Elemente des “Diamanten“ bereits in anderen
Internationalisierungstheorien wie beispielsweise der komparativen Kostenvorteile
von Ricardo thematisiert werden. Der Anspruch von Michael E. Porter, eine
grundsätzlich neue Theorie zur Erklärung der globalen Wettbewerbssituation
entwickelt zu haben, erscheint deshalb bestenfalls partiell eingelöst worden zu sein.

Mangelnde Vollständigkeit des “Diamant“-Ansatzes

Ein weiterer zentraler Kritikpunkt richtet sich gegen die vermeintlich mangelnde Vollständigkeit des "Diamant"-Ansatzes. Die zunehmende Bedeutung internationaler Verflechtung und Globalisierung der Märkte führen dazu, dass Nationen ihren Einfluss auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit der auf ihrem Territorium ansässigen Unternehmen verlieren. Begründet wird dies damit, dass Multinationale Unternehmungen (MNUs) weltweit Zugang zu Ressourcen haben und diese weltweit transferieren können und zwar unabhängig von ihrer Nationalität. Die nationale Identität von Unternehmungen wird somit bedeutungslos. John Harry Dunning weist jedoch darauf hin, dass Michael E. Porter  die Bedeutung von MNUs in seinem Modell kaum berücksichtigt. So kann beispielsweise angenommen werden, dass für Unternehmungen, die einen bedeutenden Teil ihrer Wertschöpfung ausserhalb ihres Heimatlandes erzielen, die “Diamanten“ der Länder, in denen diese über die Tochtergesellschaften verfügen, einen mindestens ebenso grossen Einfluss auf deren Wettbewerbsfähigkeit wie der “Diamant“ des Heimatlandes besitzen. Es scheint also , dass die Wettbewerbsposition von MNUs nicht nur abhängig vom nationalen “Diamanten“, sondern auch von dem der Gastländer ist und das Konzept von Michael E. Porter folglich entsprechend erweitert werden müsste.


Mangelnde Allgemeingültigkeit des “Diamanten“-Ansatzes

Michael E. Porter vergleicht lediglich acht reiche, marktwirtschaftlich orientierte Industrieländer, namentlich Dänemark, Deutschland, Grossbritannien, Italien, Japan, Schweden, Schweiz und die USA sowie die zwei Schwellenländer Singapur und Südkorea, so dass beispielsweise die Kapitalausstattung und andere wichtige Faktoren als diskriminierende Merkmale unberücksichtigt bleiben. Vor allem empirische Untersuchungen in kleineren Staaten mit hohem Aussenhandelsanteil wie z. B. Kanada, Neuseeland oder den Niederlanden kommen dabei zu Ergebnissen, die dem Modell von Michael M. Porter in vielen Punkten widersprechen.


Mangelnde Prognosefähigkeit des “Diamanten“-Ansatzes

Die mangelnde Prognosefähigkeit des “Diamanten“ wird kritisiert. Obwohl Michael E. Porter vielfach darauf hinweist, dass dieser als ein dynamisches Modell angelegt ist, muss bezweifelt werden, ob dieser Anspruch tatsächlich auch erfüllt worden ist. Vor allem die geopolitische und technologische Dynamik spricht dafür, dass viele derjenigen Faktoren, die in der Vergangenheit die Wettbewerbsfähigkeit von Nationen massgeblich bestimmt haben, in Zukunft an Bedeutung verlieren, und andere Faktoren, die von Michael E. Porter nicht oder nur am Rande behandelt worden sind, an Bedeutung gewinnen. Als Beispiel sei hier auf die von Michael E. Porter herausgestellte innovationsfördernde Funktion der hohen Arbeitskosten in Deutschland und der Schweiz verwiesen, die zunehmend als grösste Belastung für die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmungen empfunden wird. [Zurück]

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