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04. February 2012
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Ökologie und Umweltschutz beim Bauen und Sanieren  [PDF Download]


In der Schweiz werden jährlich 10 Millionen Tonnen Abfälle produziert. Davon sind etwa 3.5 Millionen Tonnen Bauabfälle. Diese enthalten oft Chemikalien, toxische Stoffe und den Treibhauseffekt verstärkende Gase. Sie belasten die Umwelt und schädigen auch den Menschen direkt oder indirekt. Wenn also Baustoffe gewonnen, hergestellt, verarbeitet, genutzt, entsorgt und wiederverwertet werden, müssen sie dabei konsequenterweise auf ihre Belastung für die Umwelt geprüft und im Sinne einer ökologischen Verträglichkeit optimiert werden.


Baustoffanalyse

Die ganzheitliche Betrachtung von Lebenszyklen der Baustoffe und die sich daraus ergebende ökologische Bewertung dienen dem Erreichen des Ziels der ökologischen Sanierung. Wichtige Faktoren bei der Baustoffanalyse sind dabei:
  • Herkunft
  • Transportkosten
  • Abfallprodukte
  • Problemstoffe
  • Lebensdauer
  • Recycling

Um das Problem der umweltbelastenden Baustoffe deutlich zu machen, muss die Wahrnehmung der externen Auswirkungen verstärkt geschult werden, hier ist die Wissenschaft und die Politik gefordert. Um Baustoffe zu bewerten, ist eine ganzheitliche Betrachtung der Baustoffzyklen unerlässlich. Die gängigen Phasen der Zyklen sind:

  • Rohstoffgewinnung
  • Herstellung
  • Verarbeitung
  • Nutzung
  • Rückführung
  • Entsorgung

In diesen Phasen treten Umweltbelastungen in Form von Rohstoffen, Energieverbrauch und Transport auf. Um den Baustoff zu bewerten müssen also, gemäss der ganzheitlichen Herangehensweise, alle Belastungen in allen Phasen untersucht werden. Dabei kann man in jeder Phase grob kategorisch mit Fragen prüfen:

  • Kommen die Rohstoffe aus nachhaltig genutzten Ressourcen?
  • Welche Form der Energie und wie viel davon wird verwendet?
  • Wie gross ist der Transportaufwand?
  • Welche und wie viel Abfallprodukte entstehen?
  • Sind Problemstoffe enthalten, die weitere Kosten verursachen?
  • Wie lang ist die Lebensdauer des Baustoffes?
  • Kann der Stoff zurückgeführt werden?

Um diese Fragen zu beantworten und eine umfassende Ökobilanz von Baustoffen zu erstellen, müssen die gesamten Lebenszyklen auf Stoff- und Energieumsätze quantitativ erfasst werden. Anschliessend sollte eine qualitative Bewertung der Umwelteinwirkungen folgen, um eine einheitliche Vergleichsbasis zu schaffen.


Ökobilanzen

Die Grundanforderungen an die Ökobilanz sind Vollständigkeit, Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Erstellung nach einheitlichen Kriterien. Nach internationalem Konsens umfasst das konzeptionelle Vorgehen bei einer Ökobilanz folgende Schritte:

  • Zieldefinition
  • Sachbilanz (objektiv, quantitativ)
  • Wirkungsanalyse (objektiv, quantitativ)
  • Bewertung (subjektiv, qualitativ)

In der Zieldefinition werden die Systemgrenzen, das Bilanzgebiet und der untersuchte Parameter festgelegt. Den wichtigsten und umfangreichsten Schritt stellt die Sachbilanz dar. Hier müssen die quantitativ messbaren Stoff- und Energieströme wirtschaftlich exakt erfasst werden, um in der Wirkungsanalyse die Auswirkungen auf die Umwelt klar und transparent herausstellen zu können. Diese objektive Erfassung bietet die Grundlage für die subjektive Bewertung, in diesem Fall der Baustoffe. Die Subjektivität hält dabei Einzug in Form von Erfahrungen, Eigeninteressen, Fremdinteressen und Vorurteilen.

Das Ziel der Ökobilanz ist die Basis für umweltpolitische Entscheidungen zu liefern und Planern bzw. Architekten eine Hilfe bei der ökologisch sinnvollen Auswahl von Baustoffen zu sein. Dabei spielt sie eine wichtige Rolle bei der Internalisierung externer Kosten, wie z.B. die Inanspruchnahme und Belastung von Umweltgütern (Wasser, Luft, Boden, Energie, Rohstoffe etc.) durch den Menschen. Sie ergänzt bereits bestehende ökonomische Bilanzen, die externe Kosten nicht, oder nur am Rande in Betracht ziehen.


Wirtschaftlichkeit

Das Ökonomie und Ökologie nicht vereinbar sind, ist ein immer noch verbreiteter Standpunkt, der aber immer mehr widerlegt wird. Durch die allseits geforderte Nachhaltigkeit, die versucht ökonomische, ökologische und soziale Aspekte zu vereinen und die Realisation dieser Forderung in vielen Bereichen hat zur Entkräftung dieser durchaus pessimistischen Sichtweise beigetragen. Auch eine ökologische Sanierung kann so wirtschaftlich oder noch günstiger als eine herkömmliche Sanierung sein.

Wenn die Internalisierung externer Kosten jedoch nicht mit einbezogen wird, ist es teurer ökologisch zu Bauen und Sanieren. Es muss jedoch berücksichtigt werden, dass ökologisches Sanieren und Bauen keine besondere Form des Bauens ist, denn das Bauen ist stets mit den Aus- und Wechselwirkungen auf und zwischen Mensch und Umwelt verbunden und damit ökologisch bedeutend. Die Frage ist nur inwiefern sich Akteure der ökologischen Wirkungen und ihrer Verantwortung gegenüber anderer Menschen und der Natur bewusst sind. Wenn man Techniken wie Wärmerückgewinnung, Solarthermie, Regenwassernutzung und den Bauunterhalt eines ökologisch zu sanierenden Gebäudes allein betrachtet, so belaufen sich die Mehrkosten auf etwa 15 Prozent. Kalkuliert man aber auch die externen Kosten, so dreht sich das Kosten-Nutzen Verhältnis zu Gunsten der ökologischen Sanierung um:


Ökologische Baumaterialien brauchen im Mittel ein Drittel weniger Energie bei der Herstellung.

  • Bei einem Einfamilienhaus würde diese Energieersparnis für 4-5 Jahre Heizen ausreichen.
  • Die Emissionsreduzierung ist grösser als 40 Prozent.
  • Die Regenwassernutzungsanlage reduziert die sonst benötigte Menge an Trinkwasser um 30 Prozent.

Persönliche ökologische Verhaltensweisen, wie beim Heizen, können bis zu weitere 30 Prozent Energieeinsparnis bringen. Bei der Entsorgung ist das Materialaufkommen um 7 Prozent geringer als beim herkömmlichen Bau und Sanieren. Die Bauschuttmenge ist 30 Prozent geringer. Die Menge der Problemstoffe reduziert sich von 20 m³ auf 0,1 m³. Weitere Einsparungen ergeben sich durch die Verwendung regionaler Baustoffe und die damit verbundene Transportenergieeinsparnis und die zunehmenden Investitionen in ökologisch sinnvolle Technik, die einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten kann.

Um einen optimalen ökologischen sowie ökonomischen Nutzen bei der Sanierung eines Gebäudes zu erreichen, ist die Bestandsaufnahme und die sich daraus ergebenden Massnahmen ein zentrales Instrument. Es muss aber auch betont werden, dass sich die Kosten eines ökologisch sanierten Gebäudes eher langfristiger amortisieren, als die eines nach rein ökonomischen Gesichtspunkten sanierten Gebäudes. Aber auch diese langen Amotisierungsphasen könnten durch die Zunahme der ökologischen Sanierung und der damit einhergehenden Technologie-, Prozess-, und Kostenoptimierung, stark verkürzt werden. Hierzu bedarf es aber eines Umdenkens von kurzfristigen, Gewinnoptimierten auf mittel- bis langfristige, nachaltige (ökonomisch / ökologisch / sozial) Denkstrukturen. Die Grundlagen dafür müssen in Politik, Wissenschaft und Bauwirtschaft geschaffen werden.

Als Schlussfolgerung kann also angeführt werden, dass es schon bei heutigen Bedingungen günstiger sein kann ökologisch zu Bauen und Sanieren, wenn man die Internalisierung externer Kosten in die Berechnungen einbezieht.


Kommunikation zwischen der Bauherrschaft und dem Planer


Wenn sich jemand entschliesst, Ökologie und Umweltschutz bei einer Sanierung zu berücksichtigen, so ist es von grosser Bedeutung, dass eine ständige Kommunikation zwischen der Bauherrschaft und dem Planer stattfindet. Dabei werden Vereinbarungen über Zweck, Kosten, Qualität, ökologische Aspekte, Ästhetik etc. getroffen. Zur speziellen Berücksichtigung der ökologischen Aspekte stehen vier Werkzeuge zur Verfügung.


Die ökologische Absichtserklärung

Bei der ökologischen Absichtserklärung muss die Bauherrschaft den Stellenwert der ökologischen Aspekte bei der Sanierung festlegen.


Sie enthält Aussagen zu:

  • Stellenwert der Ökologie, Kosten und Vorgehen.
  • Materialien und Bauablauf
  • Nutzung
  • Entsorgung und Wiederverwertung

Der Planer kann zwar Hilfestellung bei ihrer Erstellung geben, aber die Entscheidungen obliegen der Bauherrschaft. Der Stellenwert der Ökologie muss ständig gegen andere Kriterien wie etwa Kosten abgewogen werden. Eine mögliche Aussage zum Stellenwert der Ökologie wäre: Bei der Planung und Projektierung, sowie bei der Ausübung der Erneuerung ist auf grösst mögliche Umweltverträglichkeit der gewählten Lösung zu achten. Und beim Punkt Materialien liesse sich festhalten: Bei der Erneuerung sollen Baumaterialien, Konstruktionen und technische Einrichtungen bevorzugt werden, die als besonders ökologisch bekannt sind, solange diese keine schwerwiegende andere Nachteile mit sich bringen. Eine sorgfältig erarbeitete Absichtserklärung bietet eine wichtige Grundlage, die während des weiteren Planungs- und Bauverlaufs auch hinterfragt und konkretisiert werden kann, sofern dies noch möglich ist.


Die ökologische Zustandsbeurteilung

Die Zustandsbeurteilung ist die wesentliche Voraussetzung für die daraus folgende Planung der Bausanierung. Es sollen die wesentlichen ökologischen Schwachstellen eines Gebäudes ermittelt werden.

Folgende Aspekte werden berücksichtigt:

  • Energieverbrauch
  • Trinkwasserverbrauch
  • Meteorwasserkonzept
  • Aussen- und Innenluftbelastung/Raumklima
  • Besondere Schadstoffe der Baumaterialien
  • Physiologische Belastungen (Lärm, Elektro-Smog)
  • Entsorgungsprobleme

Das Ziel ist eine generelle Übersicht über den ökologischen Zustand des Gebäudes. Die Beurteilung erfolgt durch Gespräche mit Eigentümern, Berechnungen und Besichtigungen des Gebäudes. Die Bewertung ergibt qualitative Aussagen über die Sanierungsbedürftigkeit bestimmter Gebäudeteile wie Heizung, Fassade, Boden etc. und stellt die Grundlage für die Ausarbeitung von Varianten der Sanierung in der Phase "Projektierung" dar.


Der Beurteilungsraster

Nach der Absichtserklärung und der Zustandsbeurteilung erarbeitet das Planungsteam verschiedene Projektvarianten zur Sanierung. Diese müssen dann anhand von Kriterien beurteilt werden. Mit dem Beurteilungsraster kann der Planer die Projektvarianten gesamthaft und transparent beurteilen. Er enthält alle relevanten, ökologischen und übrigen Kriterien (Kosten, Ästhetik etc.), die mit Checkfragen präzisiert werden. Das Ergebnis ist eine Gesamtbeurteilung der Varianten und hilft der Bauherrschaft somit bei ihrem Variantenentscheid.


Umsetzung in der Ausschreibung

Mit diesem Werkzeug werden nun, nach der Variantenwahl, die ökologischen Anforderungen an die Sanierung in einem Vertrag festgehalten. Darin sind allgemeine Bedingungen und Angaben zur Materialwahl enthalten. Das Ziel ist die Unternehmer der Sanierung zu einer Einhaltung der niedergelegten Bestimmungen und Angaben zu verpflichten. [Zurück]

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